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"Anything to win" - Nicolas Küng im Interview

Karlen Salih 05.08.2018

 

Nicolas Küng ist seit 4 Jahren Mitglied unseres Vereins und durchlief in dieser Zeit eine bemerkenswerte Entwicklung. Seine Spielstärke nahm stetig zu und stieg besonders in den letzten Monaten stark an.

Nach der erfolgreichen SGM 2017/18, seinen Siegen gegen Armin Hartmann (Elo 2232) und FM Daniel Borner (Elo 2194) sowie dem dritten Platz im Hauptturnier des Biel International Chess Festival ist es höchste Zeit für ein Interview mit unserem Nachwuchstalent.

 

 

"Remis ist nicht so mein Ding."

 

 

Wie würdest du dich beschreiben?

Ich bin 20 Jahre alt und studiere momentan Jus. Neben dem Schachspiel gehören lesen und Musik hören zu meinen Hobbys.

 

Wie hast du Schach entdeckt?

Meine Grossmutter hat es meinem Bruder und mir beigebracht, als wir noch sehr klein waren. Mein Interesse war geweckt und ich erarbeitete mir die weiteren Grundlagen des Schachspiels, unter anderem mit einem der ersten Computerprogramme - "Fritz und Fertig". Dann spielte ich jahrelang nicht mehr, bis ein Lehrer der Willisauer Kantonsschule ein kleines Schachturnier organisierte, an dem ich teilnahm.

 

Was fasziniert dich am Schach?

Wirklich erklären kann ich das kaum. Sicherlich der sportliche Wettkampf und die Schönheit des Spiels selber, die Ästhetik brillianter Kombinationen. Aber auch die historische Komponente. Schach ist schon Jahrtausende alt und bietet immer noch Neues. Es ist immer noch das genau gleiche Spiel wie zu den Zeiten der ersten Weltmeisterschaften, und dennoch bleibt sein Reichtum scheinbar unerschöpflich.

 

Wie hast du den Schachclub Sursee entdeckt?

Nachdem ich an der Kantonsschule am Schachturnier teilnahm, war mein Interesse wieder geweckt. Ich suchte nach möglichen Schachclubs, wobei Willisau und Sursee für mich die klaren Favoriten waren. Der SC Sursee überzeugte mich unter anderem durch seinen Internetauftritt, was mich letztlich zum Beitritt bewog.

 

Wie beurteilst du das Programm, welches der Verein bietet?

Als sehr gut. Neben den internen Wettkämpfen bietet der Verein ein abwechslungsreiches Programm bis hin zu Gesellschaftsanlässen. Auch die Teilnahme an den verschiedenen Teamwettkämpfen wie der IGM oder SGM sind wichtiger Bestandteil des Surseer Vereinslebens.

 

Wie beurteilst du die Unterstützung zur Verbesserung der Spielstärke? Konntest du vom Verein profitieren?

Wer seine Spielstärke wirklich bedeutend verbessern will, muss dies vorallem aus eigener Kraft tun oder sich einen Trainer zu Hilfe nehmen. Mit den internen Wettkämpfen und regelmässigen Plauschpartien bietet der Club allerdings gute Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln und die eigenen Partien zu analysieren. Allgemein stelle ich fest, dass gerade bei den guten Spielern eine grosse Bereitschaft vorhanden ist, ihr Wissen weiterzugeben und bei Fragen zur Verfügung zu stehen. Auch das Thementurnier, welches eine Eröffnung über 5 Runden vertieft, bietet eine gute Möglichkeit zur Verbesserung der eigenen Spielstärke.

 

Wann hast du gemerkt, dass dein Verständnis deutlich besser wurde?

Mein Selbstvertrauen ist angestiegen. Ich war viel weniger nervös gegen starke Spieler und war zunehmend in der Lage, die tatsächliche Spielstärke meiner Gegner wie auch von mir einzuschätzen. Nicht zuletzt durch Computeranalysen wurde meine Intuition für die verschiedenen Stellungstypen immer präziser und verlässlicher.

 

 

Nicolas Küng holt sich den dritten Platz am Biel Chess Festival 2018.

 

 

Wie hast du dein Verständnis, deine Spielstärke verbessert? Welche Mittel hast du dazu verwendet?

Zu Beginn schaute ich viele Videos auf YouTube. Insbesondere die Videos des Saint Louis Chess Club und des Schachkanals chess24 waren sehr hilfreich. Später begann ich dann zunehmend, die internationalen Topturniere zu verfolgen. Die kommentierten Meisterpartien gaben mir einen wichtigen Einblick und verbesserten mein Verständnis. Seit etwa einem Jahr nutze ich vermehrt auch Bücher. Gerade die Partiensammlungen von Bobby Fischer (My 60 memorable games) und David Bronstein (Zürich 1953: Kandidatenturnier) brachten mich bedeutend weiter. Momentan widme ich mich vorallem dem Endspiel mit dem Buch "Fundamental Chess Endings" von Karsten Müller und Frank Lamprecht.

 

Was empfiehlst du Anfängern und normalen Clubspielern, welche ihre Spielstärke verbessern wollen?

Am wichtigsten ist die Analyse der eigenen Partien! Diese zeigen die eigenen Schwächen auf und geben dann vor, in welche Richtung man sich verbessern muss. Man muss erkennen, wo man den oder die Fehler gemacht hat und wie man den Entscheidungsprozess verbessern kann, um diese künftig zu vermeiden. Eine weniger aufwendige aber dennoch effektive Methode sind Lern- und Analysevideos rund ums Schach. Wenn das Interesse vorhanden ist, kann man von diesen enorm profitieren.

 

Was waren deine bisher grössten Erfolge? Worauf bist du besonders stolz?

Sicherlich die letzte SGM Saison mit dem SC Sursee. Aber auch mein erster Sieg gegen einen Titelträger am diesjährigen Bundesturnier.

Die Partie zwischen Nicolas Küng und FM Daniel Borner könnt ihr hier nachspielen.

 

Welche Schachspieler haben dich besonders inspiriert?

Bisher am stärksten inspiriert hat mich Jan Gustaffson, welcher mein Eröffnungswissen und meinen Eröffnungsstil massgeblich prägte. Unter den Topspielern gefällt mir Levon Aronian sehr gut. Auch er überzeugt mich vorallem punkto Eröffnungen und natürlich mit seinem aufgestellten Charakter.

 

Wie würdest du deinen Spielstil beschreiben?

Ich versuche immer, den objektiv besten Zug zu finden. Man könnte auch von einer computerähnlichen Spielweise sprechen, die sich gerade auf dem höchsten Niveau voll etabliert hat. Eine korrekte und prinzipielle Spielweise, welche sich stets an der Stellung selbst und nicht am Gegner orientiert. Ich bin grundsätzlich ein positioneller Spieler und strebe jeweils nach stabilen Stellungen. Remis ist nicht so mein Ding. Ich kämpfe bis zum Schluss und versuche immer, das Maximum rauszuholen.

 

Was sind deine schachlichen Ziele?

Mein langfristiges Ziel ist eine Elowertung von 2200. Zuerst national und dann international. 

 

Wirst du dich zukünftig selber engagieren? Beispielsweise im Schachclub?

Das kann ich mir gut vorstellen. In den nächsten Jahren will ich in erster Linie relativ intensiv spielen. Wenn sich danach eine günstige Gelegenheit bietet, nehme ich diese gerne wahr.

 

Herzlichen Dank für das Interview.